Ellenbogenpolitik in der Fussgängerzone. Genervte Gesichter, die ebenso grau wirken wie der Himmel in dieser derzeit eher schäbig und trist anmutenden Jahreszeit. Desillusionierte Hausfrauen, welche sich an Kassen “unscheinbar” vorzudrängeln versuchen. Selbige Hausfrauen, die einen – verhindert man das Vordrängeln erfolgreich – aus ledergegerbten, giftigen Augen ansehen, als hätte man soeben ihr Erstgeborenes gefressen. Die Aussicht darauf, dass da “gar nichts mehr” kommt. Der Rückblick darauf, was alles gewesen ist und so nie wieder zurückkehrt. Die frustrierende Erkenntnis, dass jedes Jahr mit jedem Jahr schneller verstreicht.
Als Kinder wollten wir immer Pilot werden. Schaffner. Geheimagent. Prinzessin. König. Fussballspieler. Millionär. Schauspielerin. Haben von exotischen Welten geträumt, von ewigen Sommern und weissen Wintern, beides begleitet von endlosen Landschaften zum Erkunden und Toben. Ein Busch war damals kein Busch, sondern womöglich der Eingang in eine andere Welt. Eine Zauberwelt, wo einfach alles möglich ist. Wir haben davon geträumt, fliegen zu können. Haben uns alles ausgemalt wie in einem Bilderbuch.
Aber die Bilder sind verblasst, die Träume sind geträumt. Der Busch ist nur noch irgendein Grünzeug. Im Sommer ist er noch immer grün, aber jetzt irgendwie viel unscheinbarer. Im Winter nur noch ein einfacher, kahler Strauch. Die Magie ist fort. Tot. Nur noch eine seidene Erinnerung, wenn nicht schon ganz vergessen. Jugendfreunde, die früher auf Entdeckungsreisen gehen wollten – “Wenn ich mal groß bin” – haben inzwischen geheiratet, womöglich Kinder und einen Job als Beamte. Hat man früher über die Welt sinniert und sich in den Schulstunden Zettelchen hin- und hergeschoben, wo man über Mädchen tuschelte, so redet man heute von Bausparen und Vorsorge. Vor allem Sparen und Vorsorge. Dann können wir nämlich unser Leben ab 60 so richtig genießen. Da haben wir dann ja endlich Sicherheit. Aber mit Sicherheit kein Leben mehr.
Manchmal glaube ich, ich bin nie richtig erwachsen geworden. Ein kleines Kind in einem großen Körper.




Du hast soeben geschafft was keiner vorher schaffte… ich möchte wieder klein sein und in den Kindergarten kommen, Grundschule…
Einfach leben… ohne an Morgen zu denken.. Keine Sorgen, kein “Ich muss aber noch unbedingt” Deswegen ist Kinderlachen wohl auch so etwas schönes… unbeschwert und frei….
wow…
wirklich krass, dass ich das ausgerechnet jetzt finde weil gerade GESTERN (!) dieses gespräch zwischen mir und einer meiner besten freundinnen aufkam (also wir haben davor über unsere existenz gesprochen, weil wir zur zeit in einem wendepunkt unserer beider leben stehen… dabei sind wir auf das thema “kindheitsträume” gekommen):
also als kleines mädchen bin ich immer zum spielplatz gegangen und hab geschaukelt. das war voll toll für mich, nachts hab ich immer geträumt wie ich gerade schaukel und dann abhebe und zum mond fliege. eines tages hab ich wieder geschaukelt, dann kam ein mädchen und hat mich gefragt was ich da mache und ich darauf: “ich fliege zum mond!” und die hat mich ausgelacht, dann war ich so traurig das ich nach hause gegangen bin und geweint hab. eine zeitlang wollte ich nicht mehr schaukeln und wurde auch irgendwie depressix als ich dann gemerkt hab, dass man gar nicht zum mond kommen kann… mit einer schaukel.
- von ihr
also ich war als kind mal in einem musikheim und hab da ein mädchen kennengelernt mit der ich stundenlang auf der schaukel saß, jeden nachmittag. wir haben die augen geschlossen, haben angefangen zu schaukeln und uns vorgestellt wie wir auf glitzernden einhörnern über den wolken richtung sonne fliegen… stundenlang. ich glaube das waren einige der glücklichsten momente, die ich damals hatte, weil ich einfach nicht mehr auf der welt, sondern frei war, im gegensatz zu heute.
- von mir
ja…
zur zeit bin ich selbst ziemlich traurig, da ich meine freiheit aus beruflichen gründen quasi in die tonne kloppen musste, was mich tatsächlich depressiv gemacht hat, denn ich BRAUCHE sie wie die luft zum atmen. die einzige hoffnung, die ich habe, ist die gewissheit, dass der spuck in drei jahren ein ende hat. dann kann ich endlich meinen traum in die tat umsetzen und nach australien auswandern, wo mich keine der in deinem text beschriebenen gesichter erwarten… sondern einfach nur das leben in seiner ganzen form.
sooo, ich hoffe du verstehst es, dass ich dir gerade mein herz ausgeschüttet habe, aber dein text hat mich wirklich überwältigt.
ich find dich wirklich toll. vom schreibstil her hast du etwas von einem menschen, dem ich mal sehr nahe stand. ich glaube ich sollte mich mal wieder bei ihm melden…
danke
Warum?
Warum zerrst Du ans Licht, was ich vergraben hatte?
Und bedeckt mit ‘Später’ und ‘Wenn ich mal…’
Warum sprichst Du zu dem, was gefangen ist?
Hinter Mauern aus Angst und mit Lügen verriegelt.
Warum zeigst Du mir, was im Schatten kauert
und die Fäden an denen es hängt?
Irgendwie schade, dass hier auf der Seite so wenig los ist. Ich finde es nämlich interessant, mal die Person “hinter Gronkh” näher kennen zu lernen, und deine zum Teil sehr persönlichen Gedanken zu erfahren.
Zur Zeit gehe ich in die 9te Klasse und weiß noch, wie ich, als ich kleiner war immer sagte: “Ich will endlich erwachsen sein!” Jetzt denke ich mir, dass ich froh bin, noch ein “Kind” zu sein und auch gerne noch sehr viel länger eines bleiben möchte.
Als Erwachsener ist alles so viel trister, trauriger und stressiger. Deswegen finde ich es auch schön, dass es noch solche Personen wie dich gibt Gronkh, die das eben anders sehen und sich das Kind in einem bewahrt haben :)
Liebe Grüße
Charlotte
Da gibt’s nur eins: Im Lotto gewinnen!