Achim Schwarze, Autor und Protagonist des Buches, hat Glück: endlich hat er seine wohlbezahlte Führungsposition bei einer Multimedia-Firma verloren und steht auf einmal als Loser da. Als Arbeitsloser, um genau zu sein. Dank der derzeitigen Situation in heimischen Landen ändern selbst über 100 Bewerbungen, Beziehungen und sonstige Bemühungen nichts an diesem Umstand. Doch was eigentlich einen finanziellen Super-GAU bedeuten sollte, entpuppt sich nach kurzer Zeit als – Zitat – großer, persönlicher Gewinn.
Charmant, unterhaltsam und auch ein bisschen romantisch, so könnte man das Buch wohl in drei Schlagworte zusammenfassen. Achim Schwarze erzählt von seiner rasanten Durchreise auf der Karriereleiter in Richtung Abgrund. Den Job zu verlieren geht schnell, sich mit der Situation zu arrangieren hingegen kann mitunter mühsam und ein steiniger Weg sein. Doch die Erfahrungen, die man hieraus zieht, können – bei richtigem Umgang – das Leben durchaus zum Positiven wenden.
Das Buch selbst liest sich sehr kurzweilig und gerade in heutiger Zeit dürfte sich mehr und mehr kopfnickende Zustimmung oder zumindest einige Aha-Erlebnisse einstellen, scheint das Thema an sich momentan sehr am Puls der Zeit zu liegen. Ingesamt gesehen handelt es sich hier allerdings inhaltlich gesehen um ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite regt der Autor zu einem durchaus positiven Lebenswandel abseits von Stress, Terminen und Scheuklappen-Denken hin zu den wirklich elementaren Dingen an. Auf der anderen Seite wird jedoch ein “find’ Dich damit ab”-Gefühl vermittelt. Der anfängliche Kampfgeist scheint schnell zu weichen und erzählt zu größten Teilen von der Wiederentdeckung des eigenen Mikrokosmos, den man scheinbar nicht mehr loslassen sollte. Dass sich beides allerdings auch vereinbaren lässt, beweist ein Ex-Kollege des Erzählers, namentlich als Peter Fiedler genannt.
Mit 288 Seiten hat man den Schmöker leider relativ schnell durch, aber die durchaus günstigen 7,50 Euro sind gut investiert. Etwas lästig wirken zwar die dauernden Szenenwechsel, die sich mangels rotem Faden durch die einzelnen Kapitel ziehen, allerdings ist jedes dieser Kapitel in sich schlüssig und sehr mitreissend bis unterhaltsam zu lesen. Von den Einnahmen des Buches darf sich beizeiten auch gerne eine funktionierende Rechtschreibhilfe geleistet werden, aber das reicht auch an Kritik. Generell gesehen keine literarische Kostbarkeit, dennoch ein sehr empfehlenswertes Buch. An dieser Stelle auch vielen Dank an meinen Bruder, der’s mir hübsch verpackt unter den letztjährigen Christbaum gelegt hat.
Achim Schwarze klärt das Mysterium nun auf:
Leider – oder zum Glück – ist nur sehr wenig an “Kleine Brötchen” Fiktion. Die alte Wohnung hatte ich nie aufgegeben, weil sie so preisgünstig war. Mit meiner Frau bin ich aber für ein paar Jahre in eine andere, größere Wohnung gezogen. Und genau die haben wir dann aufgegeben, um “zurück zu den Wurzeln” zu leben.



