Islamisten weltweit in Aufruhr, verschiedenste Landesflaggen werden verbrannt und voller Verachtung getreten und bespuckt, Botschaften angegriffen, Menschen getötet. Der Grund dafür dürfte inzwischen weitreichend bekannt sein: eine Karikatur. Ein lausiges Bildchen in einem dänischen Tagesblatt. Eine Karikatur, wie sie zuhauf auch in islamistischen Blättern zu finden ist – beispielsweise über das Judentum. Eine Karikatur, wie sie scheinbar nur für andere Religionen legitim zu sein scheint, ohne ein Freibrief für Massenhysterie und Mord zu werden. Warum ein Freibrief? Weil es viele deutsche Medien so zu sehen scheinen, denn auf einmal werden da Stimmen der Einsicht und Entschuldigungen laut. Verständis wird geheuchelt, dass solch ein cartoonisiertes Bildchen ja nicht richtig sei und man könne es verstehen, wenn sich jemand beleidigt fühle. Dabei sollte doch gerade Deutschland ob seiner geschichtlichen Vergangenheit bereits wissen, was es mit der Welle auf sich hat.
Dabei ist die traurige Ironie der ganzen Geschichte, dass der Stein des Anstoßes nicht einmal Mohammed – welcher laut Islam nicht gezeichnet werden darf – bildlich festgehalten wurde. Zankapfel ist lediglich eine einzige einer ganzen Karikatur-Serie, auf welcher Mohammed eine Bombe auf dem Turban trägt. Die Verbindung vom Islam mit Gewalt. Man fühle sich dadurch beleidigt und empört – und unterstreicht anschliessend die Darstellung, indem man der Empörung per Gewalt und Bluttaten Luft macht. Indem man ganzen Völkern symbolisch mittels Verbrennung der Landesflagge den Tod wünscht. Die angesprochene Ironie hieran liegt doch aber ganz klar auf der Hand – denn genau jene muslimischen Hooligans sind es, welche eine solche Karikatur überhaupt ermöglichen beziehungsweise zu verschulden haben.
Im Grunde genommen geht es also – wieder einmal – nur um Vorurteile. Und Vorurteile – das wissen auch wir Kraut-fressenden, Kartoffeln züchtenden, Schweinshaxen und Bier konsumierenden Nazi-Deutschen – haben immer irgendwo ihren Ursprung. Ein Körnchen der Wahrheit. Sie lassen einen ganzen Menschenschlag – ob zutreffend oder nicht – einfach in Schubladen verschwinden. Ob politische oder religiöse Motivationen dahinter stecken mögen, spielt keine Rolle, denn die Auswirkung bleibt immer die Selbe: es trifft auch die Unschuldigen.
Denn trotz aller Schlagzeilen über Ehrenmord und Eignungstests für Einwanderer sind gerade in Europa die wenigsten Islamisten adrenalinbetriebene Prügelmaschinen. In diesem Falle nämlich stehen sich Massenmedien und Muslime-Mob in Nichts nach. Auf der einen Seite wird sich über eine Karikatur viel zu sehr aufgebauscht und hochgeschaukelt – und auf der anderen Seite schaukeln die Medien kräftig mit. Denn wenn ich dem Fernsehen und der Zeitung Glauben schenken darf, dann muss ich – in einem überwiegend muslimischen Viertel wohnend – jederzeit damit rechnen, auf der Straße von gewaltbereiten Türken gemeuchelt zu werden. Stattdessen auch im Döner-Stammladen an der Ecke lediglich Kopfschütteln. Irgendwo Verständnis für die Ursache, ganz klar – aber niemals für die Methoden.
Interessant dazu vielleicht auch die verschiedenen Sichtweisen auf die Situation an sich. So bezieht sich Spiegel Online vor allem auf die Kontroverse zwischen demokratischer Öffentlichkeit und totalitärer Gesinnung. Auf der anderen Seite beklagt islam.de vor allem die Zukunft eines womöglichen Dialoges zwischen den Religionen, insbesondere mit dem Islam auf der Grundlage von Vorurteilen.
Letzten Endes doch nur wieder ein weiteres Kapitel der unsichtbaren Grenze in unser aller Köpfe. Und schuld sind – egal von welcher Seite aus man es betrachtet – die “Anderen”.



