Erik Range
Archiv für March 2006
MC Adolf – Da illest Dick-tator!
23. Mar
Wer hätte das gedacht? Fünfzig Jahre später ist er wieder da, der Adolf. H-I-T-L-E-R, driving in the streets in a fancy car. Diesmal mit neuem Konzept, wie uns das aktuelle Propagandamaterial beweist, denn: It’s a new millenium and the Fuhrer has changed. Mit frisch gestriegeltem Scheitel und der allseits bekannten, zurechtgestutzten Oberlippenforke präsentiert sich der millionenfache Massenmörder zeitgemäß per stylishem Rapvideo. So heisst es mitunter in den gar lyrischen Anwandlungen: “I stopped burnin’ people, started burnin’ CDs. Stopped battlin’ the world, started battlin’ MCs!”. Oder wie es seine neuen Branchenkollegen von Aggro Berlin ausdrücken würden: Statt verhetzender Zeilen ist Addi am fettesten Stylen! Kapuzi statt Nazi, Charts- statt Ostblockbesetzung,- und statt die Konzentration zu lagern, wird sie lieber in dicke Beats und tighte Texte investiert.
Lange Rede, kurzer Sinn: Grup Tekkan darf einpacken, denn hier kommt A to da H, – MC Adolf Hitler! Yeah! Word to your mother!
Was geht, digga? Scheitel MC am Mic!
Und für jene, die sich über solch ein infames Video aufregen wollen: so grausam der Holocaust auch gewesen sein mag – es wird Zeit, den Blick nicht ständig ängstlich oder mahnend nach hinten zu richten, sondern mal nach vorne zu sehen. Der Krieg ist längst vorbei, die Folgegenerationen kulturell aufgeschlossener als es die bisherigen jemals waren. Und wenn alle Welt heute über Hitler lachen kann, dann stimme ich gerne mit ein. Ist auch viel gesünder statt ständig eine Flappe zu ziehen.
Immer dieser Jesus
23. Mar
Nach dem erfolgreichen Musical wird der klerikale Stand nun zusehends findiger, was das Füllen der leeren Kirchenkassen angeht. Nebst der sonntäglichen Klingelbeutel-Mafia sucht man nach neuen Wegen, um den Menschen den christlichen Glauben näherzubringen. Dass dies nun bereits in den Kinderstuben geschehen soll, ist nicht nur marketingtechnisch ein raffinierter Schachzug, sondern auf diese Weise wird der Filius sogleich auf Nächstenliebe und Selbstgeisselung konditioniert, statt mit 12 wegen mehrfachen Mordes, dem Verprügeln von Prager Straßenhuren und ausbleibender Unterhaltszahlungen im Jugendknast Auschwitz zu verrotten (woran im Übrigen nur die Computerspiele schuld sind).
Jesus klagte sehr oft über Kreuzschmerzen.
Und wieder einmal ist Townsville gerettet! Jesus saves the day!
Grup Tekkan Remixes
21. Mar
Grup Talentlos und kein Ende. Als definitiv dritter und definitiv letzter Eintrag zum Thema Türkio Hotel heute noch einige hörenswerte Coverversionen der konträr-melodischen Massenmaltretation. Viele davon sind übrigens – nicht wirklich überraschend – sogar besser als das Original, erreichen also nicht ganz dessen miserable Qualität und werden somit auch nicht gehyped. Der Mensch braucht eben immer das Schlechteste, um sich selbst darüber erheben zu können. Oder, um es mit der Sesamstraße zu sagen: es ist ganz egal, wie dumm Du bist – es gibt immer jemanden, der noch viel dümmer ist als Du. Ein Fakt, der einem im Übrigen auch sehr schnell beim Autofahren bewußt wird. Was vielleicht auch die bessere Alternative wäre, anstatt sich die nun folgenden Machwerke musischer Multiplikationslehre zu verinnerlichen.
Mehr >
Jesus: The Musical
21. Mar
Big Jay, der Mann mit den wasserwandelnden Badeschlappen, ist zurück. Ein moderner Beitrag der Kirche, um ihre entlaufenen Schäfchen wieder zurück zur Herde zu locken. Statistischen Erhebungen zufolge ist übrigens nach der Veröffentlichung des Musicals die Bereitschaft zur Berufswahl eines Busfahrers bei Jugendlichen erheblich angestiegen.
Weisheit, Windeln, Wasserwandeln