Das war’s dann also. Die WM 2006 ist – bis auf das Entscheidungsspiel um den dritten Platz am Samstag – für Deutschland vorbei. Gescheitert gegen Italien. Der Traum von der Welt zu Gast bei Weltmeistern ist ausgeträumt. Schon vor und während des Spieles hätte man so vieles meinen können. Erst der überraschende Wegfall von Frings. Dann ein scheinbar querschnittsgelähmter Schiedsrichter, wenn es um Foulspiele der Italiener ging – auf der anderen Seite aber sofort nervös zuckend, gab es eine vorteilhafte Situation für Deutschland. Ein adrett gescheitelter Lippi, der seinen Jungs vor Spielbeginn eine entscheidene Spielstrategie zugeflüstert hat: “Egal, was ist – immer zu dritt auf einen Gegenspieler. Und einer von euch lässt sich dann fallen und hält sich ein beliebiges Körperteil vor Schmerz.”

Aber sind wir mal ehrlich. Die Italiener waren hervorragende Spieler. Ungewohnt aggressiv, klar, aber scheinbar mit Superkleber an den Schuhen. Den Sieg im Spiel verdient hätten beide, das zweite Tor war allerdings dann doch sehr unnötig. Und schon gar nicht daran zu denken, wie unglaublich kurz beide Szenen sich vor einer Elfmeter-Erlösung abgespielt haben. Man MUSS also förmlich deprimiert sein – aber so gesehen gleicht sich das auch wieder aus, denkt man an die Spiele gegen Polen oder Argentinien. Man kann ja nicht immer Glück haben.

Am traurigsten ist es jedoch, wenn man nun direkt in mehreren Blogs liest, wie die Deutschen nun überlegen, ihre Fahnen wieder abzunehmen. Aus dem Vorgarten, aus dem Auto, aus dem Fenster. Selbst wenn ich hier jetzt aus dem Fenster schaue, wenige Minuten nach Spielende, fehlen dort schon einige Flaggen. Aber warum? Verdient hätten es die Deutschen doch allemal. Ich war einer von denen, die Klinsi von Anfang an nur Fehlentscheidungen unterstellt hatten – und das, obwohl ich mit Fußball so rein gar nix zu tun habe. Lehmann statt Kahn? Einfach unfassbar! Aber unfassbar ist doch, dass wir überhaupt so weit gekommen sind. Selbst wenn wir nicht Weltmeister werden – na und? Für mich geht die Deutsche Mannschaft trotzdem klar als Gewinner hervor. Oder – wie es so schön heisst – als “Gewinner der Herzen”. Und als Gewinner einer Nation, die sich wochenlang in den Armen lag wie nie zuvor. Eine Nation, die auf einmal wieder ein Zugehörigkeitsgefühl haben durfte. Die abseits von Reformen und Steuererhöhungen wieder Spaß an ihrem Land hatte – zusammen mit den Menschen anderer Nationen. Die ausländische Presse überschlug sich vor Meldungen vom “neuen Deutschland”, ebenso wie die unsere. Warum das alles jetzt wieder verdrängen? Dafür haben unsere Jungs doch nicht gespielt.

Notiz an mich selbst: morgen eine Deutsche Fahne kaufen und aus dem Fenster hängen bis zur nächsten WM. Jetzt erst Recht.