Es ist schon ein bisschen komisch. Dabei habe ich mir doch geschworen, genau das nicht zu tun. Und doch ist es da, lungert unwohl im Bauch und macht sich breit. Verbündet sich mit dem allmorgendlich ausgeschlürften Cappuccino zu einem nervösen Kribbeln und beschleunigt den Herzschlag. Fast, als hätte man etwas Schlimmes verbrochen und wurde nun dabei erwischt. Da ist es nun also und fordert seinen Tribut. Das Gefühl, sich plötzlich doch irgendwie rechtfertigen zu müssen.

Aber Rechtfertigen vor wem eigentlich? Und weswegen? Eigentlich hatte man ja schon unlängst festgestellt, dass gerade ein privates Blog keinen äusserlichen Zwängen unterliegen sollte. Selbst in ein Online-Tagebuch schreibt man also eigentlich nur dann, wenn einem danach ist und wenn man sich die Zeit nehmen kann. Aber uneigentlich? Tja. Uneigentlich sitze ich hier, überlege mir nebenher den tatsächlichen Grund für eine den Jahreswechsel überdauernde Abwesenheit – und wie ich diesen am besten erklären kann. Wobei sich da wieder die Frage stellt: wem erklären? Ich kann jetzt schreiben “Dir erklären” oder “Euch erklären”, aber wer ist da überhaupt? Und wer noch nach so “langer” Zeit? Bei Freunden kann man sich Jahre später melden und ist trotzdem wieder spontan ohne böses Gefühl im Gespräch. Funktioniert sowas auch bei Blogs und einer eventuell noch vorhandenen Leserschaft? Gleichzeitig sicher ein interessanter Versuch in Sachen längerfristige Abwesenheit, den kein sogenannter A-Blogger freiwillig durchführen würde, liefe er doch Gefahr, seine gesamte Leserschaft im großen Void des Internets zu verlieren.

Die große Frage, die sich dabei natürlich stellt, ist: warum eigentlich rechtfertigen? Unterliegt man objektiv gesehen überhaupt einer Verantwortung gegenüber mehr oder weniger regelmäßigen Lesern? Man könnte fast meinen, man drifte in’s Philosophische ab und frage sich, was denn nun der Sinn des Ganzen überhaupt sei. Denn rein objektiv gesehen, klar, ist ein privates Blog eben nur eine private Homepage. Ein bisschen öfter aktualisiert vielleicht, ohne das anno dazumal obligatorische “optimiert für IE in 800×600, copyright in 2001″ am Seitenende, aber die ganze Sache hat leider einen Haken. Leser urteilen nicht objektiv. Wird eine gewisse Frequenz beim Veröffentlichen neuer Beiträge eingehalten, so wird diese Frequenz auch von den Lesern angenommen. Kommt dann erstmal nichts mehr, so fragt man sich unwillkürlich nach den Ursachen des Ausbleibens. Ist man als Blogkonsument gerade anfangs noch guter Dinge und ziemlich sicher, es möge da ja bald weitergehen – sicher nur etwas dazwischengekommen – so sollte man als Blogbetreiber nach zwei Monaten eigentlich denken, das war’s. Exitus. Ende. Dahin der schöne Traffic. Hinfort sind all’ die “Eater” – Feed-Konsumenten -, welche man sich mühevoll per Posting-Qualität oder -Quantität aufgebaut hat. Die vom vielen Beitragsschreiben noch immer verschorften, gichtberittenen Hände – für Nichts und wieder Nichts? Oder wie es eine nicht unbedingt sehr erfolgreiche Pop(p)band der 90er ausdrücken würde: “Nur für den Kick, für den Augenblick?”

Erstaunlicherweise aber hat Open Sourced Brain sehr viel weniger an Traffic eingebüßt als gedacht befürchtet. Nach wie vor tummeln sich hier jeden Tag zwischen 700 und 900 unique User, wobei sicherlich auch ein Unterschied besteht zwischen Seiten, die vor allem von Stammlesern leben und Seiten, die eben vor allem von Suchmaschinen-Traffic leben, so wie diese hier. Eine Seite ersterer Art würde eine zweimonatige Pause wohl nur schwerlich verschmerzen, aber hier ist es fast schon egal, da sich die Besucher nur in spezifischen, sie jeweils interessierenden Bereichen aufhalten. Ganz klar, ein Loituma-Klicker interessiert sich wenig für WordPress-Plugins und umgekehrt. Leute, die sich über diverse Gaming-Foren kurz auf die World of Warcraft South Park-Folge reinlinken, schließen anschliessend gleich danach wieder das Browserfenster den entsprechenden Tab, weil sie der ganze andere Rotz gar nicht interessiert. Was zwar trotz allem sehr praktisch für eine solche Schreibpause ist, wirkt sich fast schon verheerend für die Stickiness der Seite aus, sinkt doch der Schnitt von Usern / PageViews immens ab. Hier immerhin von einem 1:5 auf ein 1:2-Verhältnis. Werbetreibende hätten also trotz nur gering absteigender Besucherzahlen in diesem Falle einen tiefen Einschnitt zu verzeichnen, da auch die Conversion-Rate hier extrem absacken würde. Die Leute interessieren sich lediglich – wenn überhaupt – für die Zielseite, welche sie anschließend wieder schließen. Dies also zu meinen Beobachtungen für jene Webmaster, die’s interessiert, welche aber nicht freiwillig eine zweimonatige Testpause einlegen wollen.

Der tatsächliche Grund des Ausbleibens ist natürlich keine Testpause, auch wenn ich das jetzt prima als Ausrede vorschieben könnte. Die Wahrheit sind schlicht und ergreifend Zeit und Motivation. Mitte Dezember der Noro-Epidemie anheimfallen, vor Weihnachten dann große Hektik, in den besinnlichen Tagen ein bisschen Zeit für die Familie, anschließend meldet sich Noro nochmal für einen Gastauftritt zurück, schon steht der Jahreswechsel vor der Tür. Das neue Jahr begann privat mit zwei Todesfällen im erweiterten Familienkreis, einer positiven Krebsdiagnose im engeren Familienkreis, sowie einer Diagnose auf Schlaf-Apnoe im engsten Familienkreis. Beruflich gesehen startete 2007 im Januar mit insgesamt fünf neuen Servern (plus entsprechender Arbeit) und mehreren neuen Projekten (plus entsprechender Arbeit) für die Firma, einem ungeahnten Umsatzrekord, sowie einem Besucherrekord bei einem unserer Projekte von 130.000 Uniques an einem Tag. Eine Mischpoke der Gefühle.

Da dieser Blog mein rein privater Spielplatz ist, hatten neue Blogeinträge also nicht unbedingt die allererste Priorität. Ab Anfang Februar hätte da auch schon längst wieder was stehen sollen, aber hastenichgesehn war da wieder diese unangenehme Situation, dass nichts, was man nun wieder schreiben wollte, gut genug hätte sein können, diese unangenehme Pause zu rechtfertigen. Und an dieser Stelle bitte bei Absatz 2 weiterlesen.