In letzter Zeit mache ich mir ein wenig Gedanken. Das ist jetzt generell nicht ganz so neu, aber das Thema diesmal ist das inzwischen selbst in allen Chefetagen angekommene “Web 2.0″. So sinniert man über die Informationsflut, welche damit einhergeht – und vor allem über die verwasweissichwievielfachte Datenmenge, die nun täglich dank Twitter, facebook, Blogs & Co durch die Leitungen glüht.

Noch vor nicht allzulanger Zeit haben Herr Hinz und Frau Kunz gerade mal ihre mit Frontpage 2000 designte Pseudo-Homepage über Haus und Hund bei geocities gehostet – und schwupps, kaum schaut man mal nicht hin, schwafelt jeder drittletzte Vollpfosten bei Dutzenden von “Social Networking Plattformen” im Minutentakt überflüssigen und absolut irrelevanten Information Overflow quer durch seine Live Feeds.

Man darf mich nicht falsch verstehen – ich bin ebenso angetan von der Möglichkeit, schnell und einfach per Sozialplattform mit Familie, Geschäftspartnern, allerlei Bekannten und Freunden zehnten Grades “connected” zu sein. Trotz aller Farm- und Mafiaspiele, ausgewürfelten Glückszahlen, Spammails, Werbekommentaren, egozentrischen Dauerpostern und -einladern hält man auf diese Weise viel einfacher Kontakt mit Menschen, die man sonst leider viel zu selten sehen/sprechen würde. Weltweit. Ganz einfach per Mausklick. Abgesehen vom ewig währenden Datenschutz-Disput brechen diese Plattformen Länder- und Kommunikationsbarrieren und schaffen das, wozu die Politik bislang nie in der Lage war: sie bringen Menschen zusammen. Eine tolle Sache.

Aber…

…was ich an dem ganzen Hype nicht verstehe, ist Folgendes. Ich tu’ mich nun schon seit bereits drei Jahren schwer damit, wieder einen Einstieg zum Bloggen zu finden. Worüber schreiben? Welches Thema ist spannend genug? Was interessiert den werten Leser? Was wäre mal wieder ein richtiger Knaller, um mit Pauken und Trompeten weiterzuschreiben? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Nichts! — Nichts, was nicht schon tausendfach geschrieben, gemeint, geäußert, gebloggt, getwittert wurde. Wahlweise aktuelle Themen aufgreifen, die schon anderswo zur Genüge abgehandelt wurden, oder sich mal wieder hinsetzen und ein paar eigene Gedanken machen – und hoffen, dass es jemanden interessiert. Und genau an diesem Punkt, so behaupte ich strotzend vor Arroganz und Hochmut, trennt sich die Spreu vom Weizen.

Was sich derzeit an Meinungen Müll durch all die modernen Massenmedien schlängelt, was für ein Aufkommen an wirklich übflüssigem Datenrotz da über die Deiche bricht, das ist – zumindest, was mich betrifft – schier unbegreiflich. Nehmen wir den sogenannten facebook Live Feed – das ist jener, der auf der Startseite anzeigt, was all “Freunde” gerade so treiben. Da schreiben Leute, dass sie gerade ein Stück Käse essen. Jemand posted ein Bild von einem braunen Karton. Ein anderer schreibt stets nur “Guten Morgen” und “Ich bin müde”, begeistert von der Anhängerschaft mit zahlreichen “Ich aber auch”s kommentiert. Wieder ein anderer informiert uns darüber, dass er gerade vor dem Klo auf seine Mutter wartet. Bei aller Liebe – wo soll das enden? Von all dem gehaltlosen Mist, der über Twitter insgesamt so hereinbricht, mal zu schweigen.

RT ιƒ уσυ ℓσνє тωιттєя

Ist das nun die neue Generation des Kommunizierens? Belanglosigkeiten in die Welt spammen – und mit einer großen Textblase voller Nichts großen Jubel und Glorie ernten? Dienen all die super Sozialisierungs-Seiten letzten Endes denn nur dazu, “Hallo hier bin ich” zu schreien, um in einer schnelllebigen Welt den Kontakt nicht gänzlich zu verlieren? Aber welchen Wert hat das Ganze dann? Kein gedanklicher Austausch, keine Substanz – nur sinnentleertes Geschwafel und/oder Werbung in eigener Sache. Hätte ein Albert Einstein die Relativitätstheorie erfunden, wenn er “mit seinem iPhone Pics über die App auf fb geuppt” hätte? Würde Shakespeare twittern? Und wenn ja: wie sähe das aus?

Scheint nicht irgendwie vor lauter Kommunikation die eigentliche Kommunikation verloren gegangen zu sein?

Roter Faden: Reloaded

Was ich nun zusammenfassend eigentlich loswerden wollte: bei all der Überthematisierung allen Ortes in Stichworten, Abkürzungen und Snippets fällt es bisweilen doch schon schwer, etwas zu finden, worüber sich schreiben lässt. Aber ist das Ganze dann noch der Ausführung wert? Oder hätte ich den ganzen Artikel doch eher twittern sollen?

In diesem Sinne auf ein Neues:

Nach 3 Jahren endlich die Reanimation von OSB! Mit echten Texten statt Snippets! o_O .. Da steckt viel ♥ drin! Cya, #gronkh
(17 chars left.)

PS: Ich bitte um etwas Nachsicht, was den Gedankenfluss angeht. Zwischendurch wollte ich in verschiedene Richtungen gehen, schweiften die Gedanken doch wieder in diverse Richtungen – von wandelnden Rechtschreibkatastrophen bis hin zu Abhandlungen über Foren, Zeitmangel und Usenet. Was das Bloggen angeht, bin ich wohl etwas eingerostet – aber mit ein bisschen Glück wird das wieder. Zum Glück liest hier momentan wahrscheinlich sowieso noch niemand mit. ;)

PPS: Schön, dass ich nicht der Einzige bin, dem die Massenvermedialung so auffällt.